Ach, ich versteh dich da so gut...
Seit wir beschlossen haben zu heiraten, gibt es nur Ärger. Schon die ersten liebevollen Kommentare zu unserer Verlobung ließen nichts Gutes erahnen:
Mama: Du hast ja hoffentlich NEIN zu dem Antrag gesagt?!
Schwiegermutter: Das muss doch jetzt noch nicht sein! Ihr habt noch so viel Zeit. Wenn ich das der Familie erzähle, schütteln alle nur den Kopf.
Freundin: Wir können uns ja mal in meiner Lernpause in der Mensa treffen, dann kannst du mir schnell alles von der Verlobung erzählen. Hab aber nicht viel Zeit.
Papa: Du weißt schon, dass unsere Firma einen Ehevertrag verlangt.
Auch was unsere Planung angeht, mussten wir viele doofe Kommentare, Desinteresse und viel Neid und Missgunst einstecken...
Wir heiraten in der Stadt, in der wir auch beide studieren. Unsere Heimatorte sind ca. 60-70 km von ihr entfernt. Als wir unserer Familie erzählten, dass wir uns für unseren Studienort entschieden haben, war es ihnen zu viel, um extra für die Hochzeit hier her zu kommen. Meine Schwiegermutter hatte dann die glorreiche Idee, einen Reisebus zu buchen, der die Gäste von unserem Heimatort zu unserem Studienort bringen sollte. Eigentlich keine schlechte Idee, aber zum Einen würde dies bedeuten, dass die Gäste alle auf einen Schlag dann von der Feier nach Hause fahren und nur wir beide übrig wären und zum Anderen dass die Gäste schon auf 23 Uhr fahren müssten, weil es einige ältere Leute gibt, die nicht so lange sitzen können und daher schon früher nach Hause wollen. Als der Vorschlag nvon mir abgelehnt wurde, haben die meisten Gäste Hotelzimmer verlangt, als sie jedoch erfahren haben, dass diese inkl. Frühstücksbuffet für ein Doppelzimmer 86,50 Euro kosten, sind einige wieder abgesprungen, und wir haben entschieden, nur mit der engsten Verwandtschaft am nächsten tag zu frühstücken. Jedoch gab es dann wieder Ärger mit der Oma meines Verlobten. Diese wollte absolut nicht hier schlafen, da sie in fremden Betten keine Ruhe finden würde. Dies würde sie nicht einmal für ihren Lieblingsenkel auf sich nehmen. Auf die Frage hin, wie sie denn dann nach Hause kommen würde (denn alle, die für eine Heimfahrt in Frage kommen würden, haben die Autos schon voll), antwortete sie: Ich habe schon immer jemanden gefunden, der mich nach Hause bringt. Es wird mich doch jemand mal schnell nach Hause fahren können. Das ist doch wirklich nicht zu viel verlangt! Man bedenke, dass es fast 70 km (einfach) sind.
Auch meine Tante ist seit unserer Verlobung recht sauer auf mich, da sie meint, dass ich die Reihenfolge unter den Cousins/Cousinen/Geschwister störe, da ich noch zwei ältere Cousins habe, die eigentlich vor mir hätten heiraten müssen. Allerdings kann doch ich nichts dafür, dass sie nicht zu Potte kommen.
Auch die Tatsache, dass mein Verlobter meinen Namen annehmen wird, sorgte in der Familie für Aufregung. Seine Eltern sprachen daraufhin 3 Monate nicht mit ihm und lassen auch heute bei jeder Gelegenheit durchblicken, wie sehr wir sie enttäuschen und was wohl die Nachbarn dazu sagen werden...
Jede kleine innovative Idee, die wir für die Hochzeitsfeier haben, wird abgeblockt, woraufhin wir uns entschieden haben, nichts mehr zu erzählen und einfach alles für uns zu planen. Hauptsache es ist so, wie wir uns es vorstellen. Ob es den Gästen gefällt, ist ja ihr Problem. Denn man kann auf der Feier Spaß haben, wenn man möchte... Allerdings gibt es genug Leute, die das offensichtlich absichtlich nicht wollen.
Meine Eltern haben zwar anfangs wirklich blöd und verletzend reagiert. Inzwischen planen sie jedoch eifrig mit und haben tolle Ideen. Vor allem meine Mutter tröstet mich stets, wenn mal wieder jemand was Doofes sagt. Vor kurzem hatte ich einen doofen Streit mit einer sehr guten Freundin, die ebenfalls heiraten wird. Wir haben seitdem keinen Kontakt mehr, was mich wirklich sehr belastet und traurig macht. Aber auch hier ist meine Mutter immer für mich da und unterstützt mich.
Mir scheint es momentan so, dass man eh nichts richtig machen kann und nur versuchen kann, alles so zu gestalten, wie man es selbst gut findet. Auf die Empathie und Freude der Gäste kann man sich scheinbar nicht verlassen
