Anzug für den Bräutigam:
Smoking, Cut oder Frack?

Welchen Anzug trägt der Bräutigam traditionell zur Hochzeit? Hier ist ein Überblick über die vier klassischen Hochzeitsanzüge Smoking, Cut, Frack und Stresemann.

Bräutigam-Anzug klassisch

Foto: Wilvorst

Die Tageszeit und der Rahmen der Hochzeit bestimmten die Auswahl des Anzuges. Bei Trauungen am Morgen darf laut Etikette der Cut oder der Stresemann getragen werden, am späten Nachmittag dann zum Empfang der Smoking oder Frack. Heutzutage wird der Cut und der Stresemann jedoch seltener ausgewählt und dafür eher ein Hochzeitsanzug über den Tag und als Abendgarderobe ein Smoking oder Frack getragen. Generell sollte der Bräutigam bedenken, dass der gewählte Anzug auf Größe und Aufwand der Hochzeit abgestimmt sein sollte. Sprich ein Cut, Frack oder Smoking ist für den offiziellen Auftritt vor dem Standesbeamten einfach einen Tick “too much”.

Für einen genaueren Überblick stellen wir Euch die verschiedenen klassischen Anzüge, die Mann zur Hochzeit tragen kann nacheinander vor.

Der Cut

Der Cut ist ein sehr festlicher Anzug und wird vom Bräutigam oder männlichen Teilnehmern zur kirchlichen Trauung getragen. Heutzutage wird der Anzug auch Cutaway genannt. In England bezeichnet man ihn als Morning Coat. Der Begriff Cut kommt ebenfalls aus dem Englischen und leitet sich von den abgeschnittenen Ecken (engl. cut away) des Gehrocks ab. In der Regel wird der Cut nur bis 18 Uhr getragen.

Ein vollständiger Cut besteht aus einer schwarz-grau gestreiften Hose, einer hellgrauen Weste, einem weißen Kragenhemd mit einer silbergrauen oder farbigen Krawatte oder einer breiten Seidenkrawatte, auch Plastron genannt und schwarzen Schuhen. Das Jackett ist vom Knopf, in Bauchnabelhöhe nach hinten, bis in die Kniekehlen rund geschnitten. Als Krönung kann ein grauer Zylinder getragen werden. Eine andere Ausführung des Cut ist der Stresemann.

Der Stresemann

Der Stresemann besteht aus einer schwarz-grau gestreiften Hose, einem schwarzen oder anthrazitfarbenem Jackett, mit aufsteigenden Revers meist einreihig, einer hellgrauen Weste und einem weißen Hemd mit silbergrauer Krawatte. Die Krawatte kann mit oder ohne Krawattennadel getragen werden. Das weiße Hemd wird mit Umschlagmanschette und Manschettenknöpfen getragen.

Der Stresemann wird hauptsächlich als „Frack des Tages“ beziehungsweise bis 18 Uhr getragen. Es wird dem Bräutigam aber niemand verübeln, wenn er diesen Anzug den ganzen Tag trägt.

Der Anzug ist nach Gustav Stresemann benannt und ist eine Ausführung des Cut. Er beruht auf der Bequemlichkeit des deutschen Außenministers und Kanzlers der 20er Jahre. Stresemann war es nämlich leid, zwischen Büro und Reichstag immer den Anzug wechseln zu müssen. Während man im Parlament und auch sonst in der politischen Öffentlichkeit nach damaligem und übrigens heute noch in Japan üblichem Protokoll einen Cut zu tragen hatte. Dieser war aber für den normalen Büroalltag zu unpraktisch und viel zu offiziell. So tauschte Gustav Stresemann den Cut, wenn er die Reichskanzlei betrat, gegen eine dem Gehrock sehr ähnliche Jacke aus. Diese war von mittlerer Länge und gerade noch mit den eleganten gestreiften Hosen des Cut-Anzuges zu kombinieren und gleichzeitig immer noch gemütlich und schlicht genug, um auf der Straße und in der Kanzlei getragen zu werden. Stresemann sparte so das Aus- und Anziehen eines kompletten Anzuges mit Hose und Weste. So blieb dem Außemminister der Weimarer Republik mehr Zeit zum Regieren und nebenbei schuf er einen neuen eleganten Anzug für den Tag.

Der Smoking

Der schwarze, einreihige Smoking mit Seidensatin besetzten Revers oder Schalfasson ist die richtige Wahl nach 15 Uhr. Das Hemd ist klassisch weiß mit “Kläppchenkragen”. Die Schleife schwarz. Dazu werden Schnürschuhe, nach Möglichkeit Lackschuhe getragen. Zusätzlich kann man eine gleichfarbige oder hechtgraue Weste tragen. Ein Cummerbund, eine breite Bauchbinde kann als Accessoire verwendet werden. Dieses sollte jedoch mit der Schleife farblich abgestimmt sein. Das farblich zur Schleife passende Einstecktuch (Pochette) darf natürlich auch nicht fehlen.

Der Smoking findet seine Entstehung in den englischen Herren-Rauchsalons Ende des vorigen Jahrhunderts (rauchen = to smoke). In Amerika heißt er übrigens Tuxedo.

Der Frack

Unter allen Anzügen ist der Frack der festlichste Herrenanzug. Er wird auch als großer Gesellschaftsanzug bezeichnet und nur bei Abendgesellschaften getragen.

Der Frack ist heutzutage meist schwarz und besteht aus einer Jacke mit Schwalbenschwänzen (Rückenteil) die vorn taillenkurz und grundsätzlich offen getragen wird. Die spitzen Revers sind meist mit glänzendem Seidensatin verziert. Die Frackhose ist immer ohne Umschlag und an den Seitennähten mit zwei Borten, auch Galons genannt, verarbeitet. Grundsätzlich wird die Hose nur mit Hosenträgern getragen.

Dazu werden weiße Accessoires getragen: Eine Weste aus Piqué, eine weiße Krawattenschleife aus Piqué, sowie das Frackhemd mit Stehkragen und einfacher Manschette aus Pique, die nicht umgeschlagen wird.

Die Weste wird hinten offen getragen und am Rücken nur durch verstellbare Gummibänder gehalten. Die Knöpfe (reine Optik, da diese weder zum Öffnen noch zum Schließen der Weste genutzt werden können) sind aus Perlmutt und sollten vor Abgabe bei der Wäscherei entfernt werden. Außerdem hat die Piqué-Weste eine Schlaufe, die durch das Frackhemd gezogen und an der Frackhose befestigt wird.

Schwarze knielange Seiden- oder Wollstrümpfe und schwarze Lackschuhe bilden den Abschluss zum Frack. Außerdem trägt der Bräutigam zum Frack vorzugsweise keine Armbanduhr, sondern wenn vorhanden eine goldene Taschenuhr.
 

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